Mein Leben

Ich  wurde am Dienstag dem  5. September 1905 in Köln-Ehrenfeld geboren. Es war ein kühler, etwas verregneter Tag und auch die Aussichten auf die kommenden Tage waren nicht gerade rosig.

Aber da  Mutter  Berta und  Vater Joseph  sowie mein älterer Bruder Josef  voller Sehnsucht auf mich warteten, entschied ich mich dann doch, das Licht der Welt zu erblicken.

Sogar  der Wein versprach in  diesem  Jahr, zu meinen Ehren, ein guter Jahrgang zu werden und die Schwalben  fingen  schon einmal an, ein  Nesterl unterm Dach zu bauen.

 

 

Das Leben meines Bruders Josef und mir, war nicht gerade ein Zuckerschlecken. Schon sehr früh mussten wir beide in der elterlichen Metzgerei mithelfen und das väterliche Handwerk des Metzgers erlernen.

Während Bruder Josef nach Abschluss der Lehre an der Musikhochschule das Fach des Opernsängers studierte und später in Breslau ein Engagement an der dortigen Oper erhielt, musste ich noch weiter beim Vater in der Metzgerei helfen und wie mein Bruder, erst einmal meine Lehre beenden.

 

Trotz einer mit “Sehr gut” bestandenen Gesellenprüfung zum Metzger, zog es mich aber immer noch zum Ingenieur und Maschinenbauer. Daher war wohl auch das Gesellenstück, die Zerlegung eines Schweines und meine Prüfungsarbeit, die Erstellung eines Beethovenkopfes aus Schweineschmalz, genau das Richtige für mich. Wenn das kein Bezug zur Musik war.

In meiner freien Zeit allerdings, ging ich meinen zahlreichen Hobbys nach. Mit meinen Freunden ging es im “Paddelboot” quer durch Deutschland.

Doch neben dem mit Begeisterung betriebenen Schwimmsport, wurde immer wieder der Hang zum Fussball deutlich und bereits mit 15 Jahren hütete ich das Tor beim Fussballverein “Rhenania” in Köln-Ehrenfeld.

In meinem ganzen Leben bin ich dem Fussball sehr herzlich verbunden geblieben. Später gründete ich mit einigen bekannten Künstlern die auch heute noch bestehende WDR-Prominenten-Mannschaft.

Schon sehr früh bemerkte ich, dass meine Interessen auf musikalischer Ebene nicht  nur der leichteren Muse entsprachen, sondern meine Vorbilder wie Maria Cebotari, Peter Anders und Heinrich Schlusnus sowie die Komponisten Löwe, Schubert und Chopin, meinen Weg mit bestimmen würden.

Eines Tages musste ich die Hilfe eines Zahnarztes in Anspruch nehmen. Während der Behandlung kam man dann auf den Gesang zu sprechen und ich gab dem Zahnarzt eine Probe meines Könnens.

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Dieser Zahnarzt nun, war gewissermassen die “Initialzündung” zu meiner beruflichen Laufbahn.

Er überredete mich, mit ihm zu Professor Fleischmann zu gehen und diesem vorzusingen. Professor Fleischmann erklärte sich auch sofort bereit mich zu unterrichten und meine Stimme auszubilden.

Ich blieb einige Jahre bei Professor Fleischmann und wechselte später zu Professor Glettenberg, bei dem ich bis zu dessen Tod im Jahr 1969, blieb.

Es folgten für mich zahlreiche kleinere und grössere Auftritte bei Veranstaltungen und Feiern aller Art.

1929 bewarb ich mich beim Kölner Sender WDR als Bassist im Rundfunkchor.  1931 bekam ich meine erste Solopartie als “Negerbootführer” in dem Hörspiel “Ein Mann erklärt einer Fliege den Krieg”.

Es wurde ein grosser Erfolg und ich wurde zum festen Bestandteil der beliebten Rundfunksendung “Froher Samstagnachmittag”.

 

Von nun an ging es steil nach oben. Bereits 1935 erhielt ich einen ersten Schallplattenvertrag und ging 1936 auf meine ersten Auslandstourneen in Belgien, Rumänien und in die Schweiz.

 

Nach dem Krieg war ich 1945 der erste deutsche Sänger, der in den Niederlanden als Sympathieträger für Deutschland auftrat und grosse Erfolge feiern konnte.

 

1947 heiratet ich meine Frau Hanny mit der ich mein ganzes Leben, ohne  die heute  üblichen  Kapriolen verbrachte.  Beide lebten wir erst in Köln- Weidenpesch in der Mollwitzstrasse und zogen 1956 in ein wunderschönes Haus in Köln-Junkersdorf.

 

1960 erhielt ich als erster Sänger Deutschlands für 6 Millionen verkaufter Lieder vom Rhein, eine Goldene  Schallplatte.   Dieser  ersten  Goldenen  Schallplatte  folgten später noch einige. 1975 erhielt ich sogar eine “Goldene” mit 5 Brillianten.

 

Um hier alle Ehrungen, Preise und Auszeichnungen aufzuzählen, würde sicher weder die Zeit noch der Platz reichen. Aber einige sollen doch erwähnt werden. So erhielt ich zahlreiche Wein- und Kulturpreise, mehrere Medaillen von Ostermann, Robert Stolz und Hermann Löns, die Robert Stolz-Büste und weitere Ehrungen im In und Ausland.

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Ich erhielt die Ehrenbürgerschaft von Köln-Junkersdorf und von Diepenbeck in Belgien.

Der Bürgermeister von New York überreichte mir den Goldenen Schlüssel der Stadt und ernannte mich zum Ehrenchef der New Yorker Feuerwehr.

Ich trug mich ins Goldene Buch der Stadt Köln ein, war Ehrensenator zahlreicher Kölner Vereine und Karnevalsgesellschaften.

 

Ganz besonders aber freute ich mich über eine Privat-Audienz bei Papst Johannes Paul II und über die Verleihung des Bundesverdienskreuzes Erster Klasse.

Auch ein Motorschiff welches den Namen “Willy Schneider” trägt, fährt von Rüdesheim aus auf dem Rhein.

 

Aber gehen wir noch einmal zurück in die 60er Jahre.

1961 kam ich dem bereits oft an mich herangetragenen Wunsch nach und begab mich auf eine Tournee durch die Vereinigten Staaten von Amerika.

Meine Konzerte dort sind zur Legende geworden und selbst die schon damals bekannten Pop-Gruppen kamen an meinen grossen Erfolg  nicht heran. Auch meine Konzerte im Madison Square Garden in New York schlugen hohe Wellen der Begeisterung.

Die Tournee wurde dann wegen des grossen Erfolges 1964 nochmals wiederholt.

Mein Begleiter auf diesen Tourneen war stets mein bester Freund und Weggefährte Dr. Gerhard Jussenhoven.

Es folgten  viele erfolgreiche Jahre  in  denen ich hart arbeiten musste.

Zahlreiche Fernsehsendungen und  Mitwirkungen  in  TV-Show`s, etwa als Kellermeister  in  “Die fröhliche Weinrunde”, “das fröhliche Weinfest”, “Dalli Dalli” “Peter Alexander Show”, “Melodien für Millionen”,oder “Im blauen Bock" und in “Musik ist Trumpf”, sowie immer wieder Plattenaufnahmen, erforderten eine eiserne Disziplin.

Aber auch  Krankheiten machten vor mir  nicht halt. Da ich bis ins hohe Alter immer noch an Lampenfieber litt, machte auch der Magen schon mal Probleme. Ein neues Hüftgelenk und ein neues Kniegelenk zwangen mich für einige Wochen zur Ruhe.

Mein letztes Lied, “Geschenkte Jahre”,  schrieb Günter Noris für mich. Er war es auch, der dieses Lied mit mir in meinem Arbeitszimmer  einstudierte.

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In seinen letzten Tagen schrieb Willy Schneider das auf ein Stück Papier, was sein ganzes Leben ausmachte und ihn in die Herzen aller Menschen gelangen liess.

“Gott gab uns das Lied, Gott gab uns unsere Stimmen und wünschte, dass wir damit Freude bereiten ! Also lasst uns seinem Wunsche mit Freuden folgen !   Euer Willy Schneider”.

Und genau dies tat Willy Schneider. Er folgte dem Ruf mit Freuden.

Anmerkungen der Redaktion :

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Willy Schneider starb am 12. Januar 1989 nach kurzer Krankheit.

Als seiner Frau Hanny nach einigen Jahren das gemeinsame Haus in Köln-Junkersdorf zu gross wurde und sie es verkaufte, wurde an die Stelle ein neuer Wohnkomplex errichtet. An die noch bestehende alte Mauer des Grundstückes wurde eine Gedenktafel angebracht.

Auch an dem Wohnhaus in Köln-Weidenpesch befindet sich eine Tafel die darauf hinweist, dass Willy Schneider dort wohnte.

Ebenfalls in Köln-Junkersdorf wurde eine Strasse nach ihm benannt und auf dem Friedhof steht eine stolze und grosse “Willy-Schneider-Eiche”.